St. Germain antwortet

Wie ist das mit dem Freien Willen?

Teilnehmerin: Du hast gesagt, dass der Aufstieg noch dauern wird und dass er auf jeden Fall kommen wird. Aber wie ist das mit dem freien Willen? Es gibt doch auch Menschen, bei denen ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass sie sich vielleicht in hundert Jahren dafür interessieren oder da ein Einsehen haben. Woher weißt du, dass das in hundert oder zweihundert Jahren so sein wird, wenn doch wegen des freien Willens gar nicht einzuschätzen ist, was der Mensch dann macht? Der freie Wille wäre ja gar nicht da, wenn ich jetzt schon weiß, was dann oder dann passiert.
St. Germain: Es ist ein Paradoxon für euren Verstand und es ist gut, dass es ein Paradox für euren Verstand ist. Denn immer, wenn euer Verstand so am Rotieren ist, wie das jetzt gerade bei dir geschieht, ist er fast ausgeschaltet. Natürlich gibt es den freien Willen und du kannst dich heute entscheiden, dies oder jenes zu tun. Aber du weißt ganz genau, dass dir dies eine besser tut als das andere. Du weißt immer, was für dich in dem Moment richtig ist. Du entscheidest immer mit deinem freien Willen, ob du dich für dich und dein Leben entscheidest oder ob du dich gegen dich und das Leben selbst entscheidest mit dem, was du tust.
Manches ist nicht so gravierend. Natürlich kannst du einmal übermäßig viel Alkohol trinken und es wird dir am nächsten Tag vielleicht nur ein wenig Kopfschmerzen bereiten. Aber wenn du dauerhaft Dinge tust, die deinem Körper schaden, sei es auch nur zu einer Arbeitsstelle zu gehen, in der du dich ständig unterdrückt und bedroht fühlst, dann wird das negative Auswirkungen auf dein Leben haben.
Trotzdem machst du manchmal solche Dinge, die dir nicht guttun. Jeder tut das, weil alle glauben, dass bestimmte Bereiche eben so organisiert sind, wie sie organisiert sind und weil ihr glaubt, euch daran anpassen zu müssen und die Erwartungen in dem Feld, in dem ihr alle lebt, so sind, wie sie sind. Ihr erwartet von Menschen, dass sie sich euch gegenüber auf eine bestimmte Art und Weise verhalten und ihr verhaltet euch auch oft so, wie andere es von euch erwarten. Die Erwartungshaltungen innerhalb der Gesellschaft sind es, die euch in erster Linie führen und leiten und nicht so sehr der freie Wille.
Der freie Wille ist etwas viel Größeres, etwas viel Wertvolleres als das, was ihr als gesellschaftlichen Konsens entwickelt habt. Der freie Wille ist wirklich der freie Wille der Seele, der freie Wille des inneren Seins. Dieser freie Wille wird euch immer auf die richtigen Wege bringen und euch immer zeigen, wo es langgeht. Manchmal gibt er euch Hinweise, wenn ihr euch mit eurem Verstand verirrt. Der Verstand hat natürlich auch den freien Willen. Aber ob er ihn gut oder weniger gut einsetzt, hängt von der Bewusstseinsentwicklung des einzelnen Menschen ab. Natürlich könnt ihr Umwege gehen, Irrwege gehen, aber die Seele wird euch dann mit entsprechenden Hinweisen immer wieder dahin zurückbringen, wo der Seelenweg langgehen soll.
Es ist also ein wirklich mehrschichtiges System, das auf vielen, vielen Ebenen unterschiedlich funktioniert. Natürlich bleibt der freie Wille unangetastet – immer. Jeder Mensch soll sich frei entscheiden können, entweder für das eine, das andere oder auch noch ein drittes oder viertes. Es gibt so viele Möglichkeiten in dieser Welt. Sie dürfen alle genutzt werden und alle führen zum selben Ziel.

Kann ein tyrannischer Diktator den Aufstieg verschieben?

Teilnehmerin: Ich gehe mal von einem ganz krassen Bild aus: Da ist ein Diktator, ein Tyrann, dem gar nichts an irgendetwas liegt und der sich eigentlich in seiner Rolle wohlfühlt, so wie er jetzt momentan lebt. Wenn der Aufstieg gemeinsam geschieht und wir auf alle warten, denke ich mir, dass es ja bei solchen Menschen noch Äonen dauern kann. Dann schiebt sich der gemeinsame Aufstieg doch dann oh Gott wohin?


St. Germain: Das, was du bei manchen Menschen siehst in ihrer Verblendung und Wut, in ihrem Hass und ihrer Angst vor Machtverlust, indem sie andere Menschen unterdrücken, beeinflussen, töten und Dinge tun, die auf dieser Welt wirklich geächtet sind, sind Dinge, die jeder von euch hier schon getan hat. Jeder von euch war schon in der gleichen Situation. Jeder von euch. Ihr habt jetzt ein etwas anderes Leben, ein etwas anderes Bewusstsein, eine etwas andere Art, das Leben zu führen, aber jeder von euch war Täter oder Täterin. Trotzdem seid ihr jetzt hier und seid dabei, eure Bewusstseinsentwicklung zu vollziehen.
Genauso kann es sein, dass jemand, der heute die Rolle spielt, ein Diktator zu sein, der andere brutal unterdrückt, in seiner gesamten seelischen Entwicklung nur diesen Part noch ausgelassen hatte. Es fehlte ihm noch in seiner Sammlung (verhaltenes Lachen bei den Teilnehmern). Wenn er sie dann vollständig hat...flupp...zieht er an dir vorbei und steigt auf (erleichtertes Lachen). Es gibt Ebenen, die haben nichts mit Zeit zu tun. In dem Moment, wo es um den Aufstieg geht und die Menschheit aufsteigen will, sammeln sich alle erlebten Ebenen, alle erlebten Menschenleben in einem gemeinsamen Punkt, in dem sie dann die seelische Gesamtpersönlichkeit ausmachen. Das heißt, alle deine Leben und alle Leben aller anderen Menschen sammeln sich bei ihnen in einem zentralen Bewusstseinspunkt und sind dann alle für die Seele verfügbar.
Im Moment siehst du nur dein Leben, wie es heute ist. Du siehst das Leben deines Nachbarn und deiner Nachbarin, des Diktators im fernen Afrika oder sonstwo als die derzeitige Persönlichkeit, die jetzt ist. Aber du siehst nicht seine gesamte Seelenpersönlichkeit, die dahinter steht mit all den Erfahrungen, die in diesen Leben schon gemacht worden sind. Du siehst nicht das Ganze. Du kannst es aus der Ebene, aus der du hier schaust, auch nicht sehen. Deshalb hast du diese Verständnisfrage. Es ist vollkommen normal.

Licht und Liebe in Kriegsgebiete senden?

Teilnehmerin: Wenn jemand Menschen abschlachtet und Krieg führt,.dann muss der ja diese Erfahrung machen und die anderen auch. Was nützt es dann, wenn ich Licht hinschicke? Das bräuchte ich ja dann gar nicht. Ich bräuchte mich ja gar nicht um andere scheren, wenn doch alles gerade so richtig ist, wie es ist.


St. Germain: Es gibt immer den Aspekt der Veränderung und es gibt immer den Aspekt, dass Menschen mit ihrer Kraft und mit ihrer eigenen inneren Liebe Einfluss nehmen können und die Dinge in der Zeit, die hier ist, verkürzen können. In dem Moment, wo du Licht und Liebe in eine Ebene hinein ausstrahlst, die im Moment sehr dunkel und sehr trist ist, wirst du mit diesem Liebesstrahl und der Energie, die dort ankommt einen Impuls setzen, durch den eine Veränderung schneller geschieht, als sie sonst geschehen würde. Das ist das, was ihr mit eurem Einfluss, mit eurer Energie könnt.
Aber ihr könnt nicht tatsächlich den anderen Menschen vollkommen beeinflussen, weil das ja auch wieder seinen freien Willen beeinträchtigen würde. Er kann dann den Impuls der Liebe vielleicht wahrnehmen und für einen Moment in die Augen eines Menschen schauen, den er sehr gequält hat und aus diesen Augen kommt ihm Liebe entgegen und er fühlt sich dann im Herzen sehr berührt - dies ist nur ein rein theoretischer Vorgang, den ich jetzt beschreibe. Aber durch solche Momente kann Wandlung in den Herzen von Menschen geschehen, die vorher vollkommen verschlossen waren. Und mit jedem Gedanken von Liebe, mit jedem Strahl von Liebe, den du - oder auch jeder andere - in die Weltgegenden sendest, die es aus deiner Sicht brauchen, wirst du einen Puzzlestein für die Veränderung mit dazu tun. Dadurch wird Veränderung in der Zeit, in der ihr lebt, spürbar schneller.

Geistige Arbeit und gleichzeitig Funktionieren im Alltag?

Teilnehmerin: Ich denke für meine Zukunft einerseits sehr groß. Ich will gerne für sehr viele Menschen und für die Erde über das Tönen und Singen Transformation unterstützen und habe Organisationsprobleme. Ich kann es auch für die Natur oder für eine kleine Gruppe von Menschen machen, aber ich habe das Gefühl, es wäre gut, wenn es wachsen würde. Was kann ich dafür tun?

St. Germain: Du kannst dafür das tun, was du tun kannst und du kannst andere darum bitten, das zu tun, was sie tun können. Du kannst nicht beides. Es ist für euch Menschen in der jetzigen Entwicklungsphase sehr schwer, eine intensive geistige Arbeit zu tun und gleichzeitig im 3D-Bereich so gut zu funktionieren, dass ihr alle Organisationsklippen mühelos umschifft. Hier gibt es in der Zukunft ein Entwicklungspotenzial, dass ihr leichter umswitchen könnt. Ihr werdet nach und nach lernen, die eine Ebene zu halten, vielleicht etwas in den Hintergrund zu schieben, und die andere Ebene der geistigen Arbeit voll durchzulassen, um dann wieder die Ebene der geistigen Arbeit etwas an die Seite zu schieben und mehr den Verstand und die Ebene, die ihr in dieser dreidimensionalen Welt braucht, um hier gut organisieren und leben zu können, mehr in den Vordergrund zu schieben.
Dies ist eine der ersten und wichtigsten Dinge, die Menschen lernen müssen, die in beiden Ebenen arbeiten wollen. Es ist eine Herausforderung für das System Mensch und dieser Herausforderung nicht hundertprozentig so gewachsen zu sein, wie ihr euch das vom Verstand her wünscht, ist völlig normal. Mach dich da nicht verrückt. Lass es so sein, wie es ist. Such dir für die Organisation jemanden, der das noch gut kann und der von den Tönen begeistert ist und lass dich einfach organisieren. Tue dann das, was du tun möchtest und was dir das Herz öffnet und allen anderen Menschen, die dann da sind, auch das Herz öffnet.

Gibt es Chaos ab 2015 ?

Teilnehmerin: Ich habe gelesen, dass es 2015 kein Geld mehr geben soll und dass das System bis dahin zusammengebrochen sein wird. Was können wir denn tun? Sollen wir schon einmal Konserven kaufen und einen Gasbrenner, um unabhängig von den Stadtwerken zu sein? Wie können wir uns auf diese Zeit vorbereiten?

St. Germain: Das ist aber eine interessante Frage. Damit kann sich der Verstand tagelang, wochenlang, monatelang, jahrelang beschäftigen und er wird keine vernünftige Lösung finden. Ihr habt euch so sehr von dem Geld abhängig gemacht, dass ihr euch überhaupt nicht vorstellen könnt, dass es auch etwas zu essen geben kann, ohne dass ihr Geld braucht, dass es auch etwas zu trinken geben kann, ohne dass ihr Geld braucht, dass es vielleicht Menschen geben wird, die Nahrungsmittel zusammentragen und in jeder Straße der Stadt eine Suppenküche aufmachen, in der dreißig, vierzig, fünfzig oder noch mehr Menschen ernährt werden und dass alle dafür sorgen, dass hier alles hingetragen wird, was zur Ernährung aller gebraucht wird.
Es ist ein Potenzial. Es ist ein Potenzial, das vor einem Jahr noch viel größer war als jetzt und es hat sich im Moment wieder etwas gewandelt. Dieses Potenzial ist immer noch vorhanden. Es ist immer noch so, dass dieses Wirtschaftssystem, das ihr hier kreiert habt – vor allem in der westlichen Welt – so voller überdimensionierter Gebilde ist, die eigentlich nichts wert sind, dass ein wirklicher Gegenwert hinter den Geldflüssen, die da sind, überhaupt nicht vorhanden ist. Es ist alles virtuell. Und weil alles virtuell ist, könnte man auch alles auf Null fahren und abschalten und schon wäre alles vorbei und die Ströme würden versiegen, weil die Verabredungen nicht mehr da sind.
Dann würde genau das geschehen, was du eben beschrieben hast: dass die Menschen Angst bekommen, sich ihre Nahrungsmittel nicht mehr besorgen zu können. Es gibt sogar Menschen, die Szenarien entwickelt haben, dass die Kaufhäuser geplündert werden und sich dann Banden das Erbeutete wieder abjagen. Dies alles soll nicht geschehen und wird nicht so geschehen, weil ihr alle beschlossen habt, es langsamer in den Übergang zu bringen.
In dem Moment, wo ihr in eurem Bewusstsein klar habt, dass das Geld an sich keinen Wert hat, wird es euch auch selbst immer weniger wert und ihr strebt nicht mehr dem Geld allein hinterher, sondern nur noch dem, was ihr dafür bekommt. Was braucht ihr denn wirklich? Ihr braucht jetzt im Winter vielleicht ein paar dicke Socken und einen Schal. Aber wie viele Schals hast du in deinem Schrank? Wie viele Socken quillen über aus deinen Schubladen? Hast du hier Mangel?
Genauso ist es mit dem Essen. Die Erde produziert jedes Jahr wieder aufs Neue in jeder Vegetationsperiode unendliche Mengen an Nahrungsmitteln, die ihr alle essen könnt. Es ist da und es muss nur anders organisiert und verteilt werden und schon hat niemand mehr Hunger. Alles ist vorhanden. Es ist eine Frage der Logistik. Ihr habt wunderbare Logistikunternehmen, die Transporte von A nach B bringen können, die euch Kiwis aus Neuseeland nach Deutschland fliegen und den Rotwein aus Chile pünktlich zum Fest auf den Tisch bringen. All das funktioniert. Aber gleichzeitig schafft ihr es nicht, die Menschen in den ärmsten Staaten dieser Welt so zu unterstützen, dass sie wenigstens ihre Grundversorgung haben. Ihr habt noch so viel zu lernen, unabhängig vom Geld.

Andere Menschen in ihrem „Sein“ lassen

Teilnehmerin: Das Thema, was mich gerade am meisten angesprochen hat, ist, das Verhalten von anderen stehen zu lassen. Wenn ich also etwas richtig blöd finde, nicht in Resonanz damit zu gehen. Das hat ja so etwas automatisches. Ich weiß nicht, wie ich es verändern kann, denn ich finde es einfach sehr belastend.

St. Germain: Du hast es über Jahrhunderte und Jahrtausende trainiert, so zu sein, um das Verhalten an den Tag zu legen, das dann da ist. Du hast es in vielen Situationen auch als einen Reflex gebraucht, um tatsächlich dein Überleben zu sichern. Das ist jetzt nicht mehr erforderlich. Du lebst in einer Situation, in der du gelassen alles stehen lassen kannst, was die anderen sagen oder tun. Du kannst niemanden verändern, außer dich selbst. Dadurch, dass du merkst, dass andere dich nur kurz antickern müssen und du schon in einer Situation bist, in der du gar nicht sein möchtest, hast du eine große Lernchance. Du kannst es tatsächlich verändern.

Du kannst mal überlegen, stehen zu bleiben und zu sagen: „Ok, ich würde jetzt gerade gerne das tun. Jetzt gehe ich mal raus und schaue mir das aus einer Ebene an, die nicht mehr ich und er oder sie ist, sondern aus einer Ebene, wo ein Dritter schaut, was die beiden da wohl machen." Mach das einfach ein paar Mal. Schau dir das mal aus dieser Perspektive an, vielleicht auch ein bisschen von oben, damit du siehst, wie dieses Verhalten wirkt, von beiden natürlich, von dir und dem anderen. Und dann verändere dich so, wie du dich verändern willst. Aber schau es dir erst aus einer anderen Ebene genau an, damit du auch erkennst, wer du da bist und ob du es wirklich aus deinem Herzen heraus verändern willst oder ob andere Motive dahinter stecken. Schau dir die Motive an. Warum willst du den oder die verändern?

Das Gefühl des Überfordert -Seins

Teilnehmerin: Das ist mein Lebensgefühl, alles alleine machen zu müssen. Da ist auch ganz viel Schmerz.

St. Germain: Das ist ein Gefühl des Überfordert-Seins. Aus solch einem Gefühl heraus entstehen auch Gefühle, sich ungerecht behandelt zu fühlen, von anderen nicht genug geachtet und geschätzt zu werden. Ein gewisses Gefühl der Minderwertigkeit entsteht daraus, ein Gefühl nicht so viel zu sein, wie andere. All das zusammen bringt dich an einen Punkt, wo du nur einen kleinen Nadelstich brauchst, um sofort überzureagieren.

Teilnehmerin: Genauso ist es.

St. Germain: Gönne dir etwas Gutes und lasse die anderen ihre Dinge tun. Nimm niemanden etwas ab, der selber gehen, laufen und tragen kann. Du musst nicht die Übermutter spielen. Du kannst die Menschen selber agieren lassen. Diejenigen, die zwei Arme und zwei Beine haben und einen Verstand, der einigermaßen funktioniert, die kann man schon allein durch diese Welt stolpern lassen. Du musst nicht jeden tragen.

Teilnehmerin: Ja, das stimmt.

St. Germain: Es sei denn, du entscheidest dich dafür und lässt dir noch ein paar Muskeln wachsen, baust dir noch ein paar zusätzliche - wie hießen diese Gestelle, die man früher auf den Schultern trug, an denen die Eimer hingen, weit ausladende Gestelle - darauf können sich dann vielleicht noch ein paar Menschen setzen. Dann gehst du gebeugt unter deiner Last (spricht mit übertrieben gequälter Stimme) durch dieses Leben - wenn du das möchtest. Wenn nicht, wirf das Gestell weg und lass die anderen selber laufen! Viel Spaß beim Wegwerfen!

Teilnehmerin: Danke.

Erneute Schmerzattacke

Teilnehmerin: (unter Weinen und Schluchzen) Ich erschrecke mich immer so über mich selber. Ich sehe ja auch, dass sich nach G.'s Tod viel bei mir verändert hat und ich habe das Gefühl, dass ich in vielerlei Hinsicht offen geworden bin. Dann bekomme ich wieder eine Schmerzattacke wie vorhin und denke wieder, ich habe das doch noch nicht gepackt, bin wohl doch noch nicht offen für alles Neue, breche dann doch noch mal zusammen. Dabei will ich das gar nicht. Ich will offen sein und aufrecht sitzen und gehen und kann es manchmal nicht. Ich muss dann einfach weinen, ich kann nicht anders.

St. Germain: Es ist gut, dass du das tust. Lass es einfach fließen. Warum versagst du dir auch diese Erleichterung? Warum gönnst du dir diese Erleichterung nicht? Warum willst du so stark sein? Niemand muss so stark sein. Du kannst es einfach fließen lassen. Lass es fließen, es tut dir gut. Und es tut jedem von uns gut zu sehen, dass es sein darf, dass das auch zu diesem Leben hier auf dieser Erde gehört. Einfach die Tränen fließen zu lassen. Lass sie fließen. Weine, wenn dir nach Weinen ist. Jeder Tropfen, der aus deinen Augen fließt, klärt dein Herz und wäscht alles weg, was noch an Verkrustungen da ist. Jede Träne, die aus dir herausbricht, hilft dir noch klarer zu werden, noch genauer zu fühlen, noch mehr dein Herz zu öffnen und zu lieben.

Lass es geschehen. Es ist ein Zeichen der Stärke, das tun zu können. Gönne dir Zeiten der Pause. Gönne dir Zeiten des Nachdenkens, des Nachfühlens und auch Zeiten, in denen du weinst, einfach nur weinst. Und es wird Zeiten geben, in denen das alles keine Rolle mehr spielt. Es ist alles ein Übergang. Gönne dir die Zeit der Trauer, solange du es brauchst.

Veränderungen umsetzen

Teilnehmerin: Ich merke, dass Veränderungen anstehen, die aus mir herausbrechen wollen. Wenn ich Verhärtungen in mir habe, die mich belasten und aufbrechen wollen, spüre ich, dass ich Hilfe brauche, um diese Dinge auch zum Teil loslassen zu können, um wieder befreit und freier atmen zu können. Für mich ist die Frage, wie ich noch mehr Hilfe holen kann, was ich da noch für mich tun kann, um da gut durchzugehen.

St. Germain: Du musst dir erst einmal klar werden, was du willst. Du musst dir ganz klar werden, was du wirklich willst und ob du die Konsequenzen all dessen, was du willst, auch tatsächlich tragen willst, mit allem was dazu gehört: mit aller Unsicherheit, mit allem Unverständnis deiner näheren und weiteren Umgebung, mit all dem, was dann auf dich einströmen wird,wenn du tatsächlich sagst, was du willst. Bevor du nicht in dir selbst völlig klar bist, solltest du Veränderungen nicht umsetzen, sondern nur dann, wenn du tatsächlich weißt, was sein soll, wenn du in dir völlige Klarheit hast, auch Klarheit über das Unangenehme an den Veränderungen, auch für dich.

Das heißt nicht, dass es nach den Veränderungen immer unangenehm bleiben muss, aber es heißt, dass es erst einmal Zeiten geben kann, in denen eine gewisse Unsicherheit da sein kann. Das solltest du dir sehr klar machen. Wenn du darüber klar bist und dir alles genau vorstellen kannst, wie es sein kann oder wie es wird, dann setze um, was umzusetzen ist - auch mit einem Gefühl aus deinem Herzen heraus. Verändere die Dinge nur so, wie du sie in Liebe zu allen, die mit dir sind, umsetzen kannst, auch wenn diese Liebe nicht als Liebe von den anderen erkannt wird. Aber du solltest diese Liebe in deinem Herzen fühlen, wenn du Veränderungen willst.

Teilnehmerin: Die Veränderungen will ich und brauche ich, weil es mir sonst nicht gut geht, weil ich das Gefühl habe, sonst zu verkümmern, die Freude nicht mehr zu haben. Ich spüre die Richtung, dass ich damit wesentlich zufriedener und glücklicher bin in mir selbst.

St. Germain: Dann beginne aus dem Herzen heraus zu handeln.

Herz und Verstand auf einen Nenner bringen

Teilnehmer: Ich habe Schwierigkeiten, mein Herz und meinen Verstand auf einen Nenner zu bringen. Ich weiß zwar vom Verstand her, dass ich es machen muss oder dass ich so und so handeln muss, aber mein Herz macht mir dann meistens einen Strich durch die Rechnung oder umgekehrt. Und die Person, die es dann eigentlich ausbaden muss, ist noch ziemlich klein und weiß damit gar nichts anzufangen. Das ist mein großes Problem.

St. Germain: Du bist in guter Gesellschaft. Das schon einmal vorweg. Du bist nicht alleine mit diesem Phänomen deiner inneren Befindlichkeit. Als ihr als Menschen auf diese Erde gekommen seid und entschieden habt, den ein oder anderen Körper anzunehmen, habt ihr entschieden, dass die männlichen Körper weniger ins Herz gehen und dass die weiblichen Körper dafür mehr ins Gefühl gehen. Es gibt natürlich Ausnahmen von dieser Regel und nichts von dem, was ich jetzt sage, gilt für alle.

Aber auf die meisten Menschen, die als Männer auf dieser Erde sind, trifft genau dieses Phänomen zu, das fast alltäglich ist: das Herz möchte aufgehen und der Verstand setzt alle Schranken. Das Herz möchte agieren und lieben und der Verstand traut es ihm nicht zu. Der Verstand hat Angst, seine Vorherrschaft zu verlieren, wenn er dem Herz die Macht gibt, tatsächlich aus dem Herzen heraus zu handeln und zu agieren.

Ein gutes Hilfsmittel, um dort hinzukommen, wohin du möchtest, ist der Atem. Lass - wenn du atmest - deinen Atem vom Herzen her bis hinunter in die Füße sinken und lass ihn dann wieder hochkommen bis zum Herz. Atme ein, ganz tief hinunter, atme aus, wieder zurück. Und mit der nächsten Einatmung atmest du nach oben ein, und aus wieder zurück, ein nach unten, aus zur Mitte, ein nach oben, aus zurück. Mache diese Atmung täglich, nur fünf Minuten lang, aber wenigstens zwei bis drei Mal am Tag. Mindestens zwei Mal, besser drei Mal. Du wirst spüren, dass sich die Schranken, die nicht nur in deinem Verstand, sondern die auch in deinen Gefühlskörpern sind, öffnen können, allein durch den Atem. Lass dich nicht von deinen Gedanken beim Atmen ablenken. Immer, wenn du dich innerhalb der fünf Minuten von deinen Gedanken aus deinem Atemstrom hast herauskatapultieren lassen, dann fange von vorne an.

Du wirst öfter von vorne anfangen, zumindest am Anfang. Stelle dir ruhig einen Wecker, eine Eieruhr oder irgendetwas, was du hast, damit diese fünf Minuten tatsächlich begrenzt sind, damit du unterwegs, während du deinen Atem beobachtest und spürst, nicht an die Zeit denken musst und nicht auf die Uhr schauen musst, denn das wird dein Verstand als erstes tun. Er wird versuchen, dir alle Ablenkung zu verschaffen, die du nur brauchst, um aus diesem Atemrhythmus heraus zu kommen. Achte auf dich selbst. Sei ganz bei diesem Atem, mit aller Achtsamkeit, die du haben kannst.

Wenn du das tatsächlich für drei Wochen machst, wirst du ein anderes Gefühl in dir empfinden, du wirst ein anderes Gefühl in deinem Herzen haben und eine andere Verbindung zwischen deinem Gefühls- und deinem Verstandeskörper haben. Der Atem wird alles auf eine Art und Weise miteinander verbinden, wie du es sonst gar nicht tun könntest. Es bedarf nur deiner Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, diese fünf Minuten nicht zu unterbrechen.

Teilnehmer: Ok, danke schön.

Zweifel und Mißtrauen

Teilnehmerin: Bei mir ist es im Moment so, dass ich sehr viel anzweifle, sehr, sehr misstrauisch bin und so zerstreut. Ich muss bei vielem, wo ich sonst eigentlich guten Mutes bin, jetzt immer denken: „Nein, das funktioniert nicht," also das Vertrauen im Vorfeld schon nicht habe in irgendwelche Dinge. Wird sich das irgendwann wieder verändern oder kann ich dazu irgendetwas beisteuern?

St. Germain: Ja. Wie sieht es denn in deiner Umgebung aus? Wie fühlen, denken und handeln denn die Menschen, die um dich herum sind? Sind sie eher im Zweifel oder sind sie eher im Selbstvertrauen? Sind sie eher in einem Feld des Misstrauens oder sind sie eher in einem Feld des Vertrauens? Schau dort mal hin, ob du dich vielleicht in deinem Bewusstsein von Feldern mitziehen und einfangen lässt, die gar nicht deine sind, zu denen du vielleicht noch eine leichte Resonanz hast, die aber nicht dein Grundfeld sind. Und dann schau, ob das die richtigen Menschen sind, mit denen du dich umgibst, ob das tatsächlich diejenigen sind, die dir gut tun.
Ein weiteres ist: immer, wenn ein Umbruch kommt, immer wenn eine Veränderung kurz bevorsteht, gibt es noch einmal eine Talsohle, in der sich alles sehr kribbelig, nervig und unklar anfühlt. Kurz vor der eigentlichen Veränderung ist der Zustand am schlimmsten, fühlt er sich am schlimmsten an. Auch das solltest du mitbedenken, wenn du dein eigenes inneres Befinden fühlst.

Keine Resonanz zu anderen Menschen

Teilnehmerin: Im Moment habe ich ein paar Menschen um mich herum, die mir helfen, die mich unterstützen. Ich möchte auch meinen Beitrag dazu leisten. Aber das gelingt mir irgendwie nicht. Ich komme da nicht hinterher. Meine Frage ist, wieso bekomme ich da keine Resonanz mit den anderen? Wieso klappt das nicht? Wieso gelingt mir das nicht, mit ihnen zusammen zu handeln, zu agieren, wie auch immer?

St. Germain: Dass die anderen dir gegenüber darauf eine Resonanz zeigen. Es kommt nur darauf an, dass du deine Wahrheit lebst und davon erzählst. Was du sagst, muss nicht sofort auf so fruchtbaren Boden fallen, dass man dir erzählt, wie gut das gewesen ist oder wie sehr es sie berührt hat. Die meisten Menschen trauen sich nicht, das zuzugeben, selbst wenn es geschehen ist. Deshalb wirst du noch lange eine Distanz spüren. Aber an einem bestimmten Punkt werden sich diese Menschen erinnern, dass du das ja vor einiger Zeit so gesagt hast. Und dann wirst du auch eine andere Rückmeldung haben. So etwas passiert nicht sofort.

Ihr habt eure Zeitschiene gewählt, auf der ihr leben wollt und vieles geschieht erst in der Zeit und nicht sofort. Wenn ihr erst in der nächsten Dimension seid, dann wird das anders sein, dann wird die Resonanz sofort da sein und ihr werdet mit den Resonanzen spielen können und euch gegenseitig damit beglücken. Es wird ein anderes Leben sein. Es wird schneller und schöner sein. Jetzt braucht ihr noch etwas Zeit. Aber sei gewiss: es ist richtig so, wie du es machst.

Teilnehmerin: Danke.

Kobolde, Salamander, Elfen und andere Naturgeister

Teilnehmerin: Ein Kobold hat einen elfjährigen Jungen geärgert, doch wir konnten den Kobold überreden, den Jungen zu verlassen und an einer Heilquelle zu bleiben. Da kam jetzt der Gedanke, dass er vielleicht andere Leute ärgert, die zur Quelle kommen und sich öffnen. Was kannst du uns dazu sagen?

St. Germain: Kobolde sind eben Kobolde. Sie sind wie sie sind. Genauso wie Menschen sind wie sie sind, sind Kobolde wie sie sind. Es ist ein gradueller Unterschied, ob man Mensch oder Kobold ist. Kobolde haben immer die Idee, jemanden zu necken, zu foppen, zu ärgern und bis an die Grenzen seiner eigenen Möglichkeiten zu gehen und ihn oder sie bis zur Weißglut zu treiben. Kobolde haben daran einen Spaß und eine Freude, die ihr euch in eurem menschlichen Sein gar nicht so richtig vorstellen könnt. Ihr seid in der Hinsicht wirklich Waisenkinder. Kobolde sind da viel intensiver. Das vorweg zur Natur von Kobolden.
Sie können nichts dafür. Sie sind liebenswerte Wesen - genau wie ihr. Wenn ihr mal wieder in euren Prozessen seid, seid ihr immer noch liebenswerte Wesen, auch wenn ihr euch nicht so vorkommt. Auch Kobolde sind liebenswerte Wesen. Sie sind so, wie sie sind und sie versuchen alles. Aber sie können nichts gegen euren Willen tun. Nur wenn ihr schwach und nicht willensstark genug seid, können sie euch in eurem eigenen Sein erwischen und ihre Späße mit euch treiben.
Es gibt immer mehrere Möglichkeiten, mehrere Wege, über die Kobolde in den Bereich der Menschen hineinwirken können. Es geschieht immer dann, wenn ein für Kobolde interessantes Thema bei diesem Menschen eine Resonanz auslöst, weil dieser Mensch das Thema ablehnt. Das ist mit einer der besten Gründe für Kobolde, bei diesem Menschen etwas zu versuchen.
Sie sind immer auf der Suche nach den Schwachstellen, wenn sie es mit Menschen zu tun haben. Sie sind immer gut darin, diese Schwachstellen aufzudecken und dort hineinzustoßen. Sie sind Mitarbeiter Gottes. Sie tickern auf eine Art und Weise an, die wesentlich intensiver ist, als ihr Menschen es untereinander jemals könnt. Und sie werden immer von Wesen und Menschen angezogen, die eine Sicht haben, bei der die Schleier schon weiter und offener sind als bei anderen. Nur da können sie tatsächlich etwas bewirken. Nur da finden sie auch Zugang in den Geist oder zum Geist des Menschen. Sie werden niemals den Geist besetzen wie eine Besetzung, sondern immer parallel dazu sein können, wenn dieser Mensch das Nahrungsfeld bietet, nämlich die Ablehnung eines bestimmten Themas.
In dem Moment, wo dieses Thema offensichtlich wird, zieht es auch den Kobold mit an. Das war in diesem Fall eine der Hauptgründe. Denn Kobolde lieben Sex, absolut und hammerhart. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sie Sex lieben.

Teilnehmerin: Dann ziehen jetzt aber immer mehr Menschen die Kobolde an, weil sich die Schleier lichten?

St. Germain: Ja, nicht nur die Kobolde, auch die Elfen, die Salamander und alle anderen Naturgeister. Die ganze Welt der belebten Flora und Fauna auf eurem Planeten wird offensichtlicher und klarer. Die Wesen kommen zurück aus ihrem Rückzug, den sie einmal begonnen hatten, als Menschen sich nur noch für den Bereich interessierten, den sie mit ihrem Verstand und ihrer Technik erforschen konnten und sie die Wesenheiten, die noch auf diesem Planeten leben, immer mehr aus ihrem Leben gedrängt haben. Diese Zeiten gehen jetzt vorüber und es beginnen sich immer mehr Menschen wieder für die Welt zu interessieren, die es noch gibt. Diese Welt gibt es tatsächlich und sie ist vielfältiger als du denkst, vielfältiger als ihr aus euren Erzählungen und Geschichten kennt. Ihr werdet noch vieles kennenlernen. Es wird interessant werden.
Ihr werdet ein so interessanter Planet, wenn ihr erst erkennt, was noch alles um euch herum ist, dass ihr die Welt, so wie ihr sie jetzt erlebt, nicht mehr wiedererkennen werdet.

Teilnehmerin: Das kann aber jetzt am Anfang Probleme geben, wenn gerade diese neuen Kinder, die jetzt kommen und dann Kobolde kommen...

St. Germain: Ja, dafür sind die Menschen da, die jetzt die Öffnung mit begleiten und hier eine Klarheit schaffen können. Ihr solltet bei allem, was ihr tut, die Klarheit mitbringen, die ihr als Erwachsene mitbringen könnt, um Kinder zu schützen. Es gehört dazu, dass ihr als erwachsene Menschen eine Klarheit entwickelt, bei der ihr euch nicht auf die Themen einlasst, die für Kinder vielleicht noch nicht richtig sind, sondern dass ihr es trennt: dass es tatsächlich Erwachsenenthemen und Kinderthemen gibt, die sich nachher wieder vermischen werden, weil Kinder ja auch größer werden. Aber es gibt eine Zeit, in der bestimmte Themen bei Kindern nichts zu suchen haben. Da brauchen sie Schutz. Genauso wie jedes Tier seine Welpen bis zu einem gewissen Alter schützt, genauso solltet ihr das auch tun und nicht den Schutz - auch den geistigen Schutz - völlig aufbrechen.

Geburt und Tod

Teilnehmerin: Hatte die Angst, die ich heute gefühlt habe, mit dem Thema Tod zu tun oder Geburt?

St. Germain: Geburt und Tod sind absolute Übergänge, in denen ihr durch eine Schleuse geht. Es ist wie eine Schleuse des Vergessens, wenn ihr in dieses Leben tretet und es ist ein Zurücklassen dieses Körpers, wenn ihr ihn verlasst. Beides ist in euren Gedanken mit Angst verbunden. Ihr seht oder wisst, wie es für ein kleines Baby ist, durch diesen Geburtskanal zu kommen und habt als Menschen oft genug erlebt, wie Mütter dabei gestorben sind. Ihr seid in dem Moment eng gedrückt und wirklich zusammengepresst, so klein, wie es nur geht - wenn ihr sozusagen durchflutscht. Manchmal ist das Flutschen auch nicht so leicht. Manchmal bleibt man stecken.
Auf der anderen Seite könnt ihr euch überhaupt nicht vorstellen, wenn ihr diese fünfzig bis hundert Jahre in diesem Körper gelebt habt, wie es ist, diesen Körper zu verlassen, diesen Körper nicht mehr zu haben. Das ist angstbesetzt, weil es so etwas wie Existenzangst ist. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie es ist zu existieren, ohne diesen Körper zu haben. Und jedes Mal, wenn ihr dieses Thema wirklich tief betrachtet - nicht nur mit dem Verstand, sondern wenn ihr die Gefühle dazu zulasst - dann kommt es zu dem, was dir heute geschehen ist, weil dann nämlich wieder die Erinnerungen an das entstehen, was schon einmal erlebt wurde, nicht nur in diesem Leben.
Es geht in diesem Leben darum, erst einmal in dieses Wissen zu kommen, dass es wirklich nur Übergänge sind. Das ist bei dir da. Nur nützt es in den meisten Fällen nicht viel, dieses Wissen zu haben, wenn nicht gleichzeitig auch ein tiefes Gefühl der Sicherheit dafür da ist, dass es wirklich so ist, so ein Gefühl von Sicherheit, das so tiefgreifend ist, dass du dir denkst: „Na gut, wenn jemand meinen Körper haben will, dann soll er ihn doch haben. Leben tue ich auch anders.“
Es ist dieses An-dem-Hängen, was jetzt da ist und was ihr habt, dieses nicht Hergebenwollen, dieses Festhaltenwollen an diesem Körper. Es gehört mit dazu, dies im Leben an irgendeiner Stelle aufzugeben und loszulassen. Wenn ihr das innerlich geschafft habt, dann müsst ihr es vielleicht nicht mehr tun. Das ist das Paradoxe am Aufstieg. Aber ihr müsst es wirklich losgelassen haben bevor ihr es behalten könnt.

Klimakonferenz in Kopenhagen

Teilnehmer: Ich habe Sorge, wie es mit der Klimaentwicklung weitergeht. Kopenhagen ist ja mit so viel Tam Tam, mit so viel Geschrei in Zeitung und Rundfunk angepriesen und besprochen worden. Und jetzt mit einem Mal ist nichts, nur Leere. Wie geht es weiter trotz der Leere? Es werden ja jetzt Schuldige gesucht. Sind sie jetzt schuldig, sind wir alle schuldig? Also für mich ist das ein Anlass zur Sorge. Ich habe ja nicht mehr allzu lange zu leben. Ich rechne auch nicht damit, dass da in der kurzen Zeit, die ich noch lebe, ernstlich etwas passiert, aber für euch alle und für meine Enkelkinder habe ich da ein bisschen Sorge.

St. Germain: Diese Entwicklung, die da auf der politischen Ebene geschehen ist, hat eine große Welle und einen großen neuen Druck erzeugt, weil es sich nämlich gezeigt hat, dass diese Welt nur dann verändert werden kann, wenn tatsächlich alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Das ist die Erkenntnis dieses sogenannten Gipfels. Diese Erkenntnis ist viel wichtiger, als das Ergebnis dieses Gipfels. Das Ergebnis dieses Gipfels kann auch im nächsten Jahr noch weitergeführt werden. Es ist nie zu spät. Aber die Erkenntnisse in den Köpfen auch derjenigen, die sich bisher strikt gegen irgendwelche Klimaabkommen gerichtet haben, sind gewachsen. Und durch die neue Führung der USA und die Einbindung so wichtiger Bereiche wie das jetzige China und das jetzige Indien sind Gruppen mit ins Boot geholt worden, in die Entscheidungsfindungen hinein, die vorher nie darin waren, die immer nur eine Nebenrolle gespielt haben.

Die Rollenverteilung auf dieser Erde verändert sich gerade. In dieser Veränderung der Rollenverteilung war dieser Gipfel ein ganz, ganz wichtiger Punkt, weil er nämlich gezeigt hat, dass alle ihre Rolle spielen. Selbst so kleine Staaten, wie dieser Inselstaat, der einfach mitten in der Nacht gesagt hat 'Nein, so nicht! Wir gehen unter, wenn ihr so weiter macht!', der hat der Welt gezeigt, dass es so nicht geht. Damit hat er überall eine Ohnmacht hervorgerufen, ein Gefühl des nicht-Erreichten. Dieses Gefühl ist jetzt in allen Delegationen so stark, dass es im nächsten Gipfel zu neuen Ergebnissen führen wird. Dafür war es gut und notwendig. Es ist ein Prozess.

Schaut nicht immer nur auf einen Gipfel. Schaut den ganzen Gipfelprozess an. Schaut die Gesamtentwicklung der Erde an. Schaut euch an, wie solche Gremien langfristig funktionieren. Das ist nicht nur ein Zeitpunkt, zu dem dann ein Protokoll unterschrieben wird. Das sind langwierige Prozesse in allen Staaten dieser Erde. Und es ist wichtig, dass solche Momente des Scheiterns ihnen zeigen, wie sie nicht handeln dürfen. Sie sind genauso wichtig wie eine Erfahrung des Schmerzes, wenn ihr einmal fallt und euch das Knie aufstoßt. Daraus kann sich etwas Neues entwickeln, aus diesem vermeintlichen Scheitern. Es kann der Anstoß zu einer neuen Welle werden, dass diese Welt ihre Einstellung ändert.

Teilnehmer: Wir können also sagen, es war kein Scheitern, es war ein erfolgreicher Lernprozess.

St. Germain: (aus vollem Herzen) Ja!